XRechnung vs. ZUGFeRD: Was ist der Unterschied?
Direkte Antwort: XRechnung und ZUGFeRD sind beide EN-16931-konforme E-Rechnungsformate und in Deutschland gleichermaßen zulässig. XRechnung ist eine reine XML-Datei (UBL oder CII) mit zusätzlichen deutschen Regeln und ist für Rechnungen an Behörden vorgeschrieben. ZUGFeRD (identisch mit dem französischen Factur-X) ist ein PDF/A-3, in das eine CII-XML eingebettet ist – Mensch und Maschine bekommen dieselbe Datei. Für Behörden wählen Sie XRechnung (oder das ZUGFeRD-Profil XRECHNUNG, sofern das Portal es annimmt); im B2B-Bereich entscheidet der Empfänger.
Gegenüberstellung
| Merkmal | XRechnung | ZUGFeRD / Factur-X |
|---|---|---|
| Herausgeber | KoSIT (Koordinierungsstelle für IT-Standards) im Auftrag des IT-Planungsrats | FeRD e. V. (Deutschland) und FNFE-MPE (Frankreich) |
| Aktuelle Version | 3.0 (Spezifikation 3.0.2, gültig bis mindestens 31.07.2027; 4.0 als Vorabversion) | ZUGFeRD 2.5.2 = Factur-X 1.09.2 (wirksam seit 1. September 2026) |
| Dateityp | XML | PDF/A-3 mit eingebetteter XML (factur-x.xml) |
| Syntax | UBL 2.1 oder UN/CEFACT CII D16B | nur CII |
| Lesbar ohne Software | nein (Viewer nötig) | ja, PDF-Bild |
| Profile | Standard und Extension | MINIMUM, BASIC WL, BASIC, EN 16931, EXTENDED, XRECHNUNG |
| Vollständige E-Rechnung | immer | ab Profil BASIC (vollständig: EN 16931) |
| Zusätzliche nationale Regeln | ja (BR-DE-*, z. B. Käuferreferenz Pflicht) | nur im Profil XRECHNUNG |
| Pflicht | Bund und Länder für Lieferantenrechnungen (E-Rechnungsverordnung des Bundes, Landesregelungen) | keine; verbreitet im B2B |
| Validierung | KoSIT-Validator (Referenz) | Factur-X-Schematron je Profil, PDF/A-Prüfung |
Was beide gemeinsam haben
Die Inhalte. Eine ZUGFeRD-Rechnung im Profil EN 16931 enthält exakt dieselben Business Terms wie eine XRechnung in CII-Syntax – Rechnungsnummer (BT-1), Parteien, Positionen, Steueraufschlüsselung, Zahlungsangaben. Der Unterschied liegt im Container (PDF oder nicht) und in den zusätzlichen Regeln. Deshalb kann ein Werkzeug wie der E-Rechnung-Viewer beide gleich darstellen: Es liest die XML aus dem PDF und behandelt sie wie jede andere CII-Datei.
Praktisch heißt das: Wer ZUGFeRD im Profil XRECHNUNG erzeugt, hat eine XRechnung mit PDF-Hülle. Ob ein Behördenportal die PDF-Hülle akzeptiert oder nur die XML, legt das Portal fest – die Rechnungseingangsplattformen des Bundes (ZRE, OZG-RE) akzeptieren XRechnung-XML und hybride ZUGFeRD-Dateien mit XRECHNUNG-Profil.
Entscheidungshilfe
- Rechnung an Bund, Land oder Kommune: XRechnung. Die Leitweg-ID gehört in die Käuferreferenz (BT-10) (Anleitung). Übertragungsweg und zulässige Formate nennt der Auftraggeber.
- Rechnung an ein Unternehmen mit automatisierter Verarbeitung: beides geht; fragen Sie nach der Präferenz. Viele Buchhaltungssysteme verarbeiten beide.
- Rechnung an ein Unternehmen, das „ein PDF zum Anschauen“ erwartet: ZUGFeRD im Profil EN 16931. Der Empfänger bekommt ein PDF, das zugleich E-Rechnung ist.
- Rechnung an Privatkunden (B2C): keine E-Rechnungspflicht; ein PDF genügt. ZUGFeRD schadet nicht.
- Grenzüberschreitend in der EU: oft Peppol BIS Billing 3.0 (UBL) über einen Peppol-Zugangspunkt oder Factur-X in Frankreich.
Beispiel
Eine Agentur stellt derselben Stadtverwaltung einmal im Monat eine Rechnung. Die Stadt nennt eine Leitweg-ID und verlangt XRechnung über das Landesportal. Die Agentur erzeugt mit dem XRechnung-Generator eine UBL-Datei, lädt sie im Portal hoch und archiviert die XML. Für ihren Steuerberater speichert sie zusätzlich eine lesbare PDF-Darstellung – klar als Kopie gekennzeichnet.
Dieselbe Agentur beliefert eine GmbH ohne Portal. Dort schickt sie eine ZUGFeRD-PDF per E-Mail: Die GmbH liest das PDF, ihre Buchhaltung importiert die eingebettete XML.
Häufige Fehler
- ZUGFeRD-PDF nachträglich bearbeiten (Stempel, Kommentar, „Drucken als PDF“): Die eingebettete XML geht verloren oder das PDF/A wird ungültig. Immer die Originaldatei weitergeben.
- MINIMUM-Profil als E-Rechnung ausgeben: MINIMUM enthält keine Positionen und erfüllt die Pflichtangaben nicht.
- Annehmen, ZUGFeRD sei „weniger streng“: Im Profil EN 16931 gelten dieselben Geschäftsregeln (BR-) wie bei XRechnung – nur die deutschen Zusatzregeln (BR-DE-) entfallen.
- XRechnung-Datei umbenennen oder in PDF „umwandeln“ und das Original löschen: Die PDF-Darstellung ist keine Rechnung (Kopie vs. Original).
Grenzen
Versionsangaben beziehen sich auf den Stand Oktober 2026. ZUGFeRD-Versionen erscheinen etwa halbjährlich; die Profilkennungen sind seit Version 2.1 stabil. Dieser Artikel behandelt nicht die Sonderprofile EXTENDED-CTC-FR oder Order-X.
Passendes Werkzeug: E-Rechnung ansehen – lokal im Browser, ohne Datei-Upload.
Quellen
- KoSIT: XRechnung – Versionen und Bundles (Spezifikation 3.0.2) (abgerufen 21.10.2026)
- FeRD: ZUGFeRD 2.5.2 veröffentlicht (Pressemitteilung, 4. August 2026) (abgerufen 21.10.2026)
- Factur-X 1.09.2 / ZUGFeRD 2.5.2 – Schematron-Metadaten (Version, Release 2026-08-04, wirksam 2026-09-01) (abgerufen 21.10.2026) – Versionsangaben aus den Prüfartefakten (Mustangproject 2.26.0) entnommen
- BMF-Schreiben vom 15.10.2025 – Vorrang des strukturierten Teils bei hybriden Formaten (abgerufen 21.10.2026)